Die Macht der Wortstellung



Erinnern wir uns an den Englischunterricht: Beim Satzbau hieß es immer Subjekt – Prädikat – Objekt. Im Deutschen gibt es dieses starre Schema nicht. Zum Glück. Wir können Worte nach Belieben tauschen, legen, setzen, schieben und mit deren Stellung auch ihr inhaltliches Gewicht bestimmen. Betonen wir Gefühle oder wollen Aufschluss geben, steht das entscheidende Wort am Satzanfang:

Verliebt war er bis über beide Ohren.

Wollen wir jedoch belehren und tiefgründig formulieren, gehört es ans Ende:

Schließlich leben wir nur einmal.

Gute und lebendige Texte wechseln häufig zwischen beiden Wortstellungen. Allerdings konfrontiert uns hier die deutsche Sprache mit einer hübschen Herausforderung bei Verben: Manche lassen sich erschreckend weit spreizen und schnell landet ein Teil am Satzende. Dabei können sie einerseits beim Lesen das Verständnis verschleiern, anderseits aber auch eine wirkungsvolle Klammer bilden. Ein Beispiel fürs Nebulöse:

Das Flugzeug tauchte gestern Abend, nachdem es für mehrere Stunden vom Radarschirm hinter dichten Regenwolken verschwunden war, wieder auf.

Wir wissen erst am Satzende, warum sich das Flugzeug ausgerechnet zum Tauchen entschieden hatte. Können wir das vermeiden? Ganz einfach: Entweder wir verzichten auf Einschübe komplett und stecken sie in einen neuen Satz. Oder wir ziehen das getrennte Zeitwort nach vorn und setzen in diesem Fall „wieder auf“ direkt hinter den Abend.

Was es mit der Klammer auf sich hat? Verben zerfallen oft in zwei Teile:

Ich habe meine Doktorarbeit mit ganzem Stolz und ohne fremde Hilfe selbst geschrieben.

Beide Teile rahmen den Satz ein und geben ihm Halt. Allerdings verhält es sich wie mit der elektrischen Spannung: Anfangs- und Zielpol müssen genügend stark sein und in Hörweite bleiben, sie dürfen also nicht von zu vielen anderen Wörtern voneinander getrennt werden.

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